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Freitag, 3. März 2023

Ehrenpokal 2020

Dresdens Laufsport feiert Ehrenpokalabend – Goldener Rudi für Hagen Melzer

Zwei Männer, wie sie äußerlich unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so einiges gemeinsam haben, an einem Abend mit großen Gesten und packenden Gefühlen – der Ehrenpokalabend des Laufsports am Freitag im Filmtheater Schauburg in Dresden ist ein besonders emotionaler gewesen. Wo sonst Krimis, Komödien und Dramen gezeigt werden, ging es diesmal einfach nur ans Herz. „Um gleich mal sprachlich im Bild zu bleiben: Das war ganz großes Kino!“, sagte André Egger von der Laufszene Events GmbH, die den Goldenen Rudi bereits zum sechsten Mal veranstaltet hat. Eine neue Dresdner Tradition, die die erfolgreiche Vergangenheit immer wieder aufleben lassen soll und gleichzeitig eine Brücke schlägt ins Hier und Jetzt dieser so laufsportverrückten Stadt verbunden mit der Verleihung des Goldenen Rudi, dem Ehrenpokal des Laufsports.

Bei der Laudatio für den Mann des Abends wird es zum ersten Mal richtig emotional. „So kämpfen nur große Sportler. Vorbild nennt man so etwas.“ Dresdens Sportbürgermeister Dr. Peter Lames, der Laudator, spricht über den Endspurt bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 1986 in Stuttgart im Rennen über 3.000 Meter Hindernis. Und er meint: Hagen Melzer, der diesmal mit dem Goldenen Rudi ausgezeichnet wird. 50, 60 Meter hatte der gebürtige Bautzner Melzer damals Rückstand auf den Führenden Francesco Panetta, doch mit einem unwiderstehlichen Endspurt lief er doch noch zum EM-Sieg. Ein Jahr später wurde Melzer dann WM-Zweiter und erzielte mit 8:10,32 Minuten einen deutschen Rekord, der insgesamt zwölf Jahre Bestand haben sollte.

Lames würdigt Melzer als einen Athleten, den man sich kaum besser nicht vorstellen kann, hebt Persönlichkeit und Sensibilität hervor. „20 Jahre hat er dem aktiven Sport nahezu alles untergeordnet“, betont der Sportbürgermeister und nennt Maximen, die es für den Erfolg braucht und die Melzer geradezu vorbildhaft verinnerlicht hatte: unbändigen Willen, den Rückhalt der Familie und Trainingspartner auf Weltklasse-Niveau. „Leistung entsteht nicht auf der Couch“, sagt Lames. Und Melzer? Ist fast sprachlos.

Eigentlich hat er den Goldenen Rudi, eine Hommage an Dresdner Rudolf Harbig, die Lauflegende aus den 1930er Jahren und immer noch einer der erfolgreichsten deutschen Läufer überhaupt, gar nicht haben wollen. „Ist ja nun schon lange her, alles Geschichte“, soll Melzer gesagt haben. Verdient aber hat sich der 60-Jährige die Auszeichnung allemal. Und als der EM-Endlauf von 1986 noch einmal auf der Kinoleinwand läuft, packt es auch ihn. „Ich habe das schon zigmal gesehen, aber es berührt mich immer noch“, sagt der sichtlich bewegte Preisträger, der immer noch ein Mann der Tat, nicht der Worte ist und im Sportstättenbetrieb arbeitet. Vertrauen, Empathie und Einfühlungsvermögen nennt Lames als herausragende Eigenschaften Melzers, von dessen Erfahrung und dem Herz für den Sport nun die Stadt schon seit vielen Jahren profitiert.

Michael Rösch erzählt vom Leben zwischen Himmel und Hölle

Etwas weitergeben und mit seiner Erfahrung helfen, möchte auch Michael Rösch, der Biathlon-Olympiasieger von 2006. Es ist der größte Erfolg des Altenbergers, der vor einem Jahr seine Laufbahn beendet hat. Eine Laufbahn, die wechselvoller und ereignisreicher nicht hätte sein können. Davon berichtet Rösch am Freitag im zweiten Teil des Ehrenpokalabends in einem unterhaltsamen und immer wieder auch ergreifenden Vortrag. „Einmal Himmel, Hölle und zurück“ – der Titel beschreibt Röschs Karriere ziemlich treffend.

Die Gage für den Abend spendet der 36-Jährige für eine an Leukämie erkrankte Läuferin, die er spontan auf die Bühne holt. Und nach den vielen Jahren Leistungssport gesteht Rösch, dass es mit dem Kopf durch die Wand nicht immer funktioniert und er jetzt als Familienvater von der geplanten Trainerausbildung erst einmal Abstand nehmen und stattdessen „an mich, meine Familie und meine Gesundheit denken“ muss. Dabei zeigt er auf der Leinwand ein Foto von sich mit seinem bald ein Jahr alten Sohn auf dem Arm. Ein Happy End als perfekter Schlusspunkt.